Kirche

Live-Blog von der EKD-Synode in Dresden (1. Tag)

Vom 10. bis 13. November tagt in Dresden die EKD-Synode. Unser Redakteur Philipp Greifenstein ist live vor Ort. Hier der Live-Blog vom ersten Tag der Synode:

In einem Live-Blog berichtet unser Redakteur Philipp Greifenstein (@rockToamna) live von der EKD-Synode in Dresden. Es lohnt also, immer mal wieder reinzuschauen. Hinweise und Fragen könnt ihr gerne hier in die Kommentare schreiben oder per Email an die Redaktion senden.


So 10.11.2019 – 22:00

Jetzt gibt es noch eine friedenstheologisch inspirierte Schlussandacht. Hier wird jetzt zugesperrt. Morgen in der Frühe geht es ab 9 Uhr mit dem Live-Blog weiter. Die Synode singt „Vertraut den neuen Wegen“. Gute Nacht.

So 10.11.2019 – 21:50

Nach einem Stündchen Diskussion mit den Gästen aus Ostritz, die noch mit zum Podium stießen, geht die Podiumsdiskussion langsam zu Ende. Gab es Erkenntnisgewinne? Für die Synodal*innen aus den alten Bundesländern vielleicht mehr als für diejenigen aus den ostdeutschen Landeskirchen.

Um die Impulse aus den DDR-Kirchen aufzunehmen, wie es Dorgerloh und Noack forderten, müssten diese Erfahrungsschätze erst einmal gehoben werden. An der Uni Leipzig kümmert sich darum die ehemalige Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) Ilse Junkermann (Interview mit der Eule).

Viele müde Gesichter sind inzwischen im Plenum zu sehen. Dorgerloh fordert in der Schlussrunde die EKD-Synodal*innen auf, einmal „einen großen Schritt“ zu wagen. Heute geht hier keiner mehr lange Wegstrecken, aber vielleicht fließen ja Gedanken aus der Diskussion noch in die Tagung ein. (Hinweis von Georg Salditt aus Ostritz: Die Pfarrstelle wurde gerade zum zweiten Mal ausgeschrieben. Interessent*innen vor!)

So 10.11.2019 – 20:45

Die Podiumsdiskussion läuft noch ohne die Gäste aus Ostritz. Dorgerloh und Altbischof Noack erzählen von früher, z.B. davon, wie DDR-Kirchen und EKD wieder zueinander fanden. Weil Noack saftig erzählt, fühlt sich die Synode gut unterhalten. Ob jede*r klar ist, dass hier Kritik formuliert wird, die auch heute noch relevant ist?

So 10.11.2019 – 20:25

Eine erste Einordnung des Synodengeschehens mit Blick auf die Gastgeberin, gibt es jetzt hier in der Eule. Die Sächsische Landeskirche durchlebt eine schwierige Zeit, die Synodal*innen gehen damit durchaus empathisch um. Trotzdem werden Unterschiede in der Bewertung wichtiger Themen deutlich.

Zwei Schlaglichter von der laufenden Podiumsdiskussion:

So 10.11.2019 – 20:10

Nach dem Abendessen steigt die Synode nun in das Schwerpunktthema der Tagung ein: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Jetzt beginnt eine Podiumsdiskussion: Bischof i.R. Axel Noack (Kirchenprovinz Sachsen / EKM), Stephan Dorgerloh (ehem. EKD-Beauftragter für die Lutherdekade und ehem. Kultusminister Sachsen-Anhalt) sowie Marion Prange und Georg Salditt (Friedensinitiative Ostritz) diskutieren das Thema: „Gewaltfrei(e) Veränderungen schaffen“.

So 10.11.2019 – 17:50

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm antwortet engagiert auf die Wortmeldungen der Synodal*innen und verteidigt sein politisches Wirken im Namen der Evangelischen Kirche. Besonders geht er auf Migrations-Themen ein:

Die Abschiebepraxis einiger Landesregierungen kritisiert er scharf und berichtet von Gesprächen, die er mit Politikern in dieser Sache geführt hat. Die Abschiebung von Konvertiten in ihre islamischen Herkunftsländer, in denen ihnen Gefahr für Leib und Leben droht, sei nicht hinnehmbar. Bei „Glaubensüberprüfungen“ vor Gerichten solle den Einschätzungen von Pfarrer*innen vertraut werden.

So 10.11.2019 – 17:00

Die Aussprache zum Ratsbericht ist zu Ende. Vorherrschendes Thema war die christliche Bewältigung von Flucht und Migration. Sowohl die Unterstützung der zivilen Seenotrettung, als auch die Bekämpfung von Fluchtursachen und das Kirchenasyl wurden von den Synodal*innen in ihren Wortmeldungen thematisiert.

Mehrfach gab es zustimmenden Applaus für Reden, die zur Verteidigung des Kirchenasyls durch den Rat der EKD aufriefen. Man solle doch Druck beim Bundesminister des Inneren „oder noch besser gleich bei der Kanzlerin“ machen (mehr zum Kirchenasyl hier in der Eule).

Nun schließt sich der Bericht des Präsidiums der Synode an, der von Präses Irmgard Schwaetzer vorgetragen wird. Hier wird es binnenkirchlich(er): Beteiligung junger Menschen in der Synode (und Kirche überhaupt) und Mitgliedschaftsentwicklung. Aber auch: Wie sieht eine klare Haltung gegenüber Antisemitismus und Rechtspopulismus aus?

So 10.11.2019 – 16:30

Der Synodale Friedemann Kuttler (ELKWUE) weist darauf hin, dass es eines stärkeren Eintretens für Konvertiten bedürfe. Gerade im süddeutschen Raum gäbe es Verwaltungsrichter, berichtet er aus eigener Erfahrung, die bei der Überprüfung von Asylverfahren „Glaubensprüfungen“ durchführten. Er fordert einen Abschiebestopp für Konvertiten, für den sich die EKD bei den zuständigen Ministerien einsetzen soll.

Der Synodale Till Vosberg (EVLKS) weist darauf hin, dass an der Basis viele Christ*innen ein Problem mit dem Eintreten für die Seenotrettung haben und deshalb die Kirche verlassen. Die EKD-Synode müsse sich fragen, in wie weit auch andersdenkende Kirchenmitglieder repräsentiert werden. Er spricht sich dafür aus, „alle mitzunehmen“.

Die EKD-Jugenddelegierten weisen darauf hin, dass sich die Synode selbst am Ziel der Nachhaltigkeit und ökologischen Verantwortung orientieren soll. Sie kritisieren u.a. den Papieraufwand und die Buffets, von denen leider immer viel weggeworfen werden müsse, weil zu jedem Zeitpunkt Nachschub sichergestellt wird.

So 10.11.2019 – 15:55

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Werkes „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe spricht pro Seenotrettung, macht aber zugleich deutlich, dass diese nur ein Teil des kirchlichen Engagements ist (wie Bedford-Strohm im Bericht sagte). Viel stärker solle auf die Arbeit der Kirchen in der Fluchtursachenbekämpfung hingewiesen werden. Die Arbeit an den globalen Entwicklungszielen – z.B. ihrer Organisationen – sei eine solche Bekämpfung von Fluchtursachen.

Das Thema bewegt die Synodalen sichtlich: In fast jeder Wortmeldung werden die Kirchenaustritte bedauert, die es in bisher unklar großer Zahl in Folge des klaren Eintretens für die Seenotrettung durch den Rat und den Ratsvorsitzenden gegeben hat.

So 10.11.2019 – 15:35

Jetzt läuft die Aussprache zum Ratsbericht: Synodal*innen bedanken sich beim Ratsvorsitzenden und kommentieren den Bericht. Mehrere Redner*innen heben die positive Wertschätzung im Bericht gegenüber den Kirchen in Ostdeutschland (und der damaligen DDR) hervor.

Katrin Göring-Eckardt (Fraktionsvorsitzende DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag, ehem. Präses der EKD-Synode) macht deutlich: Seenotrettung hilft den Betroffenen und macht Druck auf die europäischen Regierungen. Trotzdem müsse man auch Wege finden, diejenigen „zurückzugewinnen“, die der Unterstützung der Seenotrettung wegen aus der Kirche austreten.

Doch es gibt auch Kritik am Agieren des Ratsvorsitzenden in dieser Frage: Das Engagement könnte als „Absetzen von der allgemeinen Ratlosigkeit, ohne wirklich bessere Lösungen zu haben“, verstanden werden. Die Kritik hängt sich an der Klarheit, manche sagen unprotestantischen Einseitigkeit, der Aussage „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ auf. Ein Antrag wird eingereicht, das Vorgehen des Rates in der Seenotrettung von Seiten der Synode ausdrücklich zu unterstützen.

So 10.11.2019 – 15:15

Die EKD-Synode rüttelt sich nach dem Mittag langsam wieder im Plenum zusammen. Präses Schwaetzer begrüßt weitere Gäste: Funktionsträger*innen aus kirchlichen Zusammenschlüssen, ehemalige Ratsvorsitzende und Gäste aus den Partnerkirchen.

Zwischenzeitlich hat eine Pressekonferenz mit Präses Schwaetzer und dem Ratsvorsitzenden stattgefunden, in der es vor allem um die Unterstützung der Seenotrettung und den Fall des Sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing ging. Bedford-Strohm bekräftigte das Engagement der EKD für die Unterstützung der zivilen Seenotrettung: Solange es staatlicherseits nicht funktioniere, müsse man sich dafür einsetzen.

Auf Nachfrage, ob denn das Vorhaben in seinem Umfang in den vergangenen Monaten nicht geschrumpft sei, erinnerte der Ratsvorsitzende daran, dass er immer schon davon gesprochen habe, dass die EKD im Verbund mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen handeln wolle und „keine Reederei werde“.

Nun wird also im Advent auch für das Projekt „United4Rescue“ gesammelt. Das gesamte Geld solle in die Unterstützung der zivilen Seenotrettung gehen, auch wenn mehr zusammenkommt, als für die Beschaffung eines Schiffes notwendig ist. Im Advent und zu Weihnachten sammeln die kirchlichen Hilfswerke („Brot für die Welt“, „Misereor“) traditionell für ihre Projekte. Das neue Projekt aber stünde keinesfalls in Konkurrenz zu diesen, so der Ratsvorsitzende.

Der Rücktritt Carsten Rentzings vom Amt des Landesbischofs der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) ist – wie auch auf der Pressekonferenz – Thema in vielen Gesprächen unter den Synodal*innen. Gängig ist die Forderung, der ehemalige Bischof solle sich ausführlich erklären. Eine Erklärung Rentzings vor der Landessynode der EVLKS ist für Freitag, den 15. November, angekündigt. Präses Schwaetzer sicherte den sächsischen Geschwistern Unterstützung bei der anliegenen Bewältigung der Folgen des Rücktritts zu.

So 10.11.2019 – 13:15

Guter Beifall für den Ratsvorsitzenden, obwohl die Synodal*innen schon Hunger haben. Bericht zu Ende, Mittagspause.

So 10.11.2019 – 13:05

Die EKD wird nicht zur Reederei, man wolle schlicht die zivile Seenotrettung unterstützen, so der Ratsvorsitzende. Darüber könne man auch in der Kirche unterschiedlicher Meinung sein („gut protestantisch“), solange man respektvoll diskutiere. De facto: Bis auf einen konkreten Starttermin für eine Online-Kollektensammlung zugunsten des Projekts nix Neues.

Der Ratsvorsitzende ist nun in Eile: Eigentlich wäre schon Mittagspause. Er spricht nun zur Klimagerechtigkeit.

So 10.11.2019 – 13:00

Seenotrettung: Die EKD habe in „Seawatch“ einen starken Partner gefunden. Seit Wochen erreichten ihn [den Ratsvorsitzenden] viele Spenden- und Unterstützungsangebote – „so viele wie bei keinem anderen Thema!“. Am 29. November werde nun eingeladen zu einem breiten gesellschaftlichen Bündnis „United4Rescue“ und es wird [ab 3. Dezember, Anm. d. Red.] eine Online-Spendenkampagne geben (#WirschickeneinSchiff).

Es habe zwar auch Kirchenaustritte wegen des Eintretens für die Seenotrettung gegeben, aber gerade junge Menschen hätten sich ihren Kirchenaustritt eben darum auch noch mal überlegt. Bedford-Strohm:

„[…] so sehr mich jeder angedrohte oder gar vollzogene Austritt aus der Kirche schmerzt, ich bin davon überzeugt: Es ist richtig, Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen. Denn der Satz stimmt ja nach wie vor: „Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt“.“

So 10.11.2019 – 12:50

Bedford-Strohm lobt nun die Glaubenserfahrungen der ostdeutschen Kirchen, von ihnen ließe sich mutiges Bekennen lernen und fröhliches Selbstbewusstsein. Er lobt ausdrücklich auch die Sächsischen Christ*innen, die sich um den Zusammenhalt in ihrer Landeskirche bemühen.

Zum Schwerpunktthema der EKD-Synode, der Friedensethik: HBS beginnt bei der christlichen Friedensbewegung in der DDR und entwickelt von dort aus einen Zugang zu aktuellen friedensethischen Herausforderungen, die da wären: Neue Konfliktursachen durch den Klimwandel (z.B. Zugang zu Wassser) & Einmarsch des NATO-Partners Türkei in Nordsyrien („eine Niederlage einer an Recht und Ethik orientierten Politik“). Es bedürfe also gründlicher friedensethischer Reflexion.

Jacob Joussen, Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat den Applaus zum Grußwort von Ministerpräsident Kretschmer (s.u.) genau beobachtet:

So 10.11.2019 – 12:35

Der Ratsvorsitzende spricht den Synodal*innen nun Mut zu. Ausgehend vom Gleichnis vom Senfkorn entfaltet er eine richtige Mutmach-Rede an die Kirchenleute vor ihm. Es gäbe bestimmte Momente (Kairos), „in denen etwas gelingt, ohne dass wir es erwarten, in denen viel Arbeit und Mühe plötzlich Früchte trägt […]“.

Zum Missbrauch in der Kirche: „Jeder Fall sexualisierter Gewalt ist eine offene Wunde in der Gemeinschaft der Kirche“. Schon jetzt danke er Bischöfin Kirsten Fehrs (Hamburg/Nordkirche) und den anderen Mitgliedern des Beauftragtenrates für „ihren ungeheuren Einsatz im gesamten vergangenen Jahr!“ Der Missbrauch wird am Dienstagvormittag ausführlich von der Synode bearbeitet.

„Kirche mit leichtem Gepäck“: „Nicht die Menschen müssen sich an unsere gewachsenen Strukturen anpassen, sondern wir müssen unsere Strukturen so anpassen, dass sie den Menschen dienen.“ Die Zukunft der Kirche entscheide sich nicht an Kirchenmitgliedschaftszahlen, sondern „an ihrer im Evangelium gegründeten Ausstrahlungskraft“.

So 10.11.2019 – 12:25

Der Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedforf-Strohm, hält nun seinen Bericht vor der Synode. Er beginnt mit einer Erinnerung an den Anschlag in Halle (Saale) und die vielen Solidaritätsbekundungen gegenüber Jüdinnen und Juden auch von Christ*innen. Diese seien mehr als eine Gefühlsäußerung, sondern Verpflichtung. Er wiederholt, was er am Tag nach dem Anschlag vor der Synagoge in München gesagt hat:

Wir werden die zur Rede stellen, die Rechtsradikalen Deckung geben, auch dann, wenn sie selbst nicht so denken. Wenn im Bundestag und im Landtag vertretene Parteien rechtsradikale Ideen in ihren Reihen dulden, dann disqualifizieren sie sich im demokratischen Diskurs. Wir werden nie zuschauen, wenn solche Einstellungen in unserem Land salonfähig werden. Juden, Christen, Muslime, Humanisten und Menschen anderer Überzeugungen – wir werden alle gemeinsam aktiv eintreten für unsere Demokratie und die Menschenwürde, der die Demokratie verpflichtet ist!

So 10.11.2019 – 12:15

Der Livestream der EKD-Synode findet sich übrigens hier.

Es laufen weiterhin Grußworte aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und nun von Bürgermeister Peter Lames (SPD), Beigeordneter für Finanzen, Personal und Recht. Er grüßt vom Oberbürgermeister, der gerade an einer Gedenkveranstaltung an die Zerstörung der Dresdner Synagoge vor 81 Jahren teilnimmt. Richtige Prioritätensetzung!

So 10.11.2019 – 12:05

Das Grußwort von Bischof Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen) für die Deutsche Bischofskonferenz beginnt mit einem Lob für den zurückgetretenen Landesbischof der Sächsischen Landeskirche (EVLKS). Seinen wertschätzenden Bemerkungen für den Dienst Carsten Rentzings schließen sich die Synodal*innen mit verhaltenem Applaus an.

Fürderhin will er nun vom Skript abweichen und ein wenig über den „Synodalen Weg“ in der katholischen Kirche sprechen. Er beginnt mit einer Erklärung des geplanten Ablaufs dieses Dialogprozesses. Gut, der dürfte den Synodal*innen bekannt sein. Und hier werden ja sogar verbindliche Entscheidungen getroffen.

So 10.11.2019 – 11:55

Die 6. Tagung der 12. Synode der EKD ist offiziell eröffnet, Präses Schwaetzer begrüßt die Synodal*innen. Es folgen Grußworte: Zur Zeit spricht der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Sein Grußwort besteht aus einem kurzen historischen Referat zu Wiedervereinigung und kirchlicher Opposition in der ehemaligen DDR: „Die DDR-Bürger haben den Sozialismus zum Einsturz gebracht.“

Die Elbe sei heute sauber, damals tot gewesen. Man habe die Altstädte saniert und die Umwelt gerettet. Hübsches Greenwashing seiner Partei, das der Ministerpräsident da betreibt. Wer die Shoah relativiere, der müsse den vollen argumentativen Widerstand der Gesellschaft zu spüren bekommen. Unser weltoffenes, tolerantes Land – „das beste Deutschland, das wir je hatten“ – muss verteidigt werden. Starker Applaus der Synodal*innen für Kretschmer.

So 10.11.2019 – 11:35 Uhr

Im Großen Saal geht es jetzt los, die Synodal*innen haben aus der Kreuzkirche zurückgefunden. Es tröpfelt in den Saal hinein, während schon einmal „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“ gesungen wird. Wie passend zur Predigt von OLKR Thilo Daniel (EVLKS), der sofort zu Beginn seiner Predigt darauf zu sprechen kam, warum er – und nicht der zurückgetretene Landesbischof Carsten Rentzing (wir berichteten) – da auf der Kanzel stand. Die ganze Predigt gibt es bei evangelisch.de.

So 10.11.2019 – 10:45

Die Kameras sind schon aus, hier in der Kreuzkirche läuft aber das Abendmahl weiter. Das wird also noch ein bisschen dauern. Der alte Pfarrerstrick, sich nach dem Wandelabendmahl unauffällig davon zu stehlen, wird geprobt.

So 10.11.2019 – 9:30

Der Eröffnungsgottesdienst beginnt. Immerhin das Hauptschiff ist gefüllt. „Dor Dräsdner“ kommt gerne mit dem Läuten, aber ist ja Fernsehgottesdienst. Der Gottesdienst steht unter dem Motto: „Frieden muss noch werden“.

So 10.11.2019 – 8:00

Heute startet die EKD-Synode mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Kreuzkirche (s.u.). Der Gottesdienst wird im ZDF übertragen und kann natürlich auch in der Mediathek verfolgt werden. Los geht’s um 9:30 Uhr.

Die Union der Evangelischen Kirchen (UEK) soll es auch über 2021 hinaus geben, hat zum Schluss ihrer Tagung die Vollkonferenz des Kirchenbundes beschlossen. Der UEK gehören 12 (von 20) evangelischen Landeskirchen an, sie führt die unierten und reformierten Kirchen zusammen. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist zugleich Mitglied in der UEK und im anderen evangelischen Kirchenbund der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Reichlich gestelzt formulierte der Vorsitzende des Präsidiums, Kirchenpräsident Christian Schad (Evangelischen Kirche der Pfalz), in die „Partitur des deutschen – regional wie konfessionell und an Frömmigkeitstypen so vielfältigen – Protestantismus soll die Stimme der unierten Kirchen fest eingeschrieben bleiben“.


„Suche Frieden und jage ihm nach“ – Psalm 34, 15

Schwerpunktthema der EKD-Synode ist in diesem Jahr der Frieden. Das Motto lautet: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Zum Schwerpunktthema hat die EKD ein Lesebuch zu Friedenstheologie und -Pädagogik mit einigen spannenden Beispielen aus der Praxis und viel Reflexion zusammenstellen lassen. Das Lesebuch gibt es als kostenlosen Download.

Bereits vor der Synode gab es zu einigen Beiträgen Diskussionen: Peter Bürger ( zwei Artikel von ihm in der Eule) hat auf Telepolis einige Aspekte aufgenommen. Er kritisiert, dass die beiden großen Kirchen der Militarisierung der Politik nur unzureichend widersprechen.

Auf der Website der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKIBA) werden unterschiedliche Beiträge des Lesebuchs teils kontrovers diskutiert. Engagierte Christ*innen kommentieren dort aus ihrer je eigenen Perspektive die Ansätze, die im Lesebuch vorgestellt werden. Die EKIBA hatte sich 2012/2013 in Vorbereitung ihrer Synode verstärkt mit dem Thema Frieden befasst, Ergebnisse dieses Prozesses hat sie ebenfalls auf ihrer Website dokumentiert.

Auf der EKD-Synode wird nach vielen Beiträgen zum Schwerpunktthema (u.a. einer Podiumsdiskussion und mehreren Impulsvorträgen) ein Kundgebungsentwurf eingebracht. Die letzte Friedensdenkschrift der EKD datiert aus dem Jahr 2007: „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ (PDF).

Ablauf der Synode(n)

Die EKD informiert auf ihrer Website detailliert über den Ablauf der Synodentagungen.

Donnerstag bis Samstag (7.-9.11.)

Wie in jedem Herbst treffen sich die Synodal*innen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) zu ihren Tagungen. Diese werden seit 2009 im Verbund durchgeführt. Jede*r EKD-Synodale*r gehört auch einer der Synoden der beiden Kirchenbünde an.

Bereits seit gestern tagt die VELKD-Generalsynode, die ebenfalls den Frieden zum Schwerpunkthema hat („Das wird eine Saat des Friedens sein“ – Sacharja 8,12). Heute tritt die Vollkonferenz der UEK zusammen, die vor allem den gesellschaftlichen Zusammenhalt thematisieren will. Die beiden Versammlungen laufen parallel, es gibt aber auch gemeinsame Veranstaltungen (Ökumenischer Gottesdienst, „Friedenspilgerweg“ durch die Stadt am 9. November). Beschlossen werden beide Tagungen mit einer gemeinsamen Pressekonferenz am frühen Samstagnachmittag.

Sonntag (10.11.)

Die EKD-Synode beginnt am Sonntagmorgen mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche, mit Kreuzchor und einer Raumperformance, die Kinder und Jugendliche aus Chemnitz gestaltet haben. Die Predigt wird Thilo Daniel, Oberlandeskirchenrat für Theologische Grundsatzfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS), halten, nachdem der ursprünglich anvisierte Prediger ja nicht mehr Bischof ist (mehr zum Fall Carsten Rentzing in der Eule). Der Gottesdienst wird live im ZDF übertragen.

Nach einer Reihe von Grußworten wird die Synode den Bericht aus dem Rat der Evangelischen Kirche hören. Er wird vom Ratsvorsitzenden Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm noch am Sonntagvormittag gehalten. Darin wird Bedford-Strohm sicher auch auf die Initiative des Rates eingehen, den Kauf eines Schiffs für die Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen. In der anschließenden Aussprache könnten dazu auch kritische Rückmeldungen aus den Reihen der Synodal*innen zu hören sein.

Neben der Aussprache wird am Nachmittag auch Synodenpräses Irmgard Schwaetzer aus dem Präsidium der Synode berichten und das Schwerpunktthema für die Synode 2020 festgelegt. Am Abend steigen die Synodalen dann mit einer Podiumsdiskussion in der Schwerpunktthema ein (s.o.). Bischof i.R. Axel Noack (Kirchenprovinz Sachsen / EKM), Stephan Dorgerloh (ehem. EKD-Beauftragter für die Lutherdekade und ehem. Kultusminister Sachsen-Anhalt) sowie Marion Prange und Georg Salditt (Friedensinitiative Ostritz) diskutieren das Thema: „Gewaltfrei(e) Veränderungen schaffen“.

Montag (11.11.)

Am Montag setzt die EKD-Synode ihre Beratungen zum Schwerpunktthema fort: Es wird Vorträge im Plenum geben und eine Arbeitsgruppenphase. Es geht also evangelisch zu. Am späten Nachmittag wird sich die Synode mit dem Haushalt der EKD beschäftigen. Am frühen Montagabend wird u.a. das „Kirchengesetz zur Regelung der Mitgliedschaft junger Menschen in der Synode der EKD“ in die Synode eingebracht. Es schließen sich Ausschusssitzungen und am späten Abend der Empfang des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU an.

Dienstag (12.11.)

Am Dienstagvormittag wird sich die Synode im Plenum und in Workshops mit der „Aufarbeitung sexualisierter Gewalt“ befassen. Dazu werden u.a. Bischöfin Kirsten Fehrs, Sprecherin des EKD-Beauftragtenrates, und Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), sprechen. Kerstin Claus wird für den Betroffenenrat berichten. Beschlossen wird dieser Tagesordnungspunkt mit einer Pressekonferenz am frühen Nachmittag.

Am Nachmittag folgt dann ein Bericht aus dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Hier geht es naturgemäß um den sinnvollen Einsatz von Finanzmitteln und die Bewältigung des Medienwandels. Außerdem wird der „Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Diakonie“ vorgestellt.

Bis in den Abend hinein werden die Synodal*innen sich dann mit unterschiedlichen Themen befassen, die auf vorausgegangenen Tagungen der EKD-Synode angestoßen wurden. Dazu gehören auch die „Zukunftsprozesse“: „Kirche auf gutem Grund“, die Neuorientierung der EKD-Finanzen (also Sparen) und „Kirche im digitalen Wandel“ (inkl. Digital-Innovationsfonds). Am späten Abend lädt die SPD zum Empfang ein.

Mittwoch (13.11.)

Am Mittwoch folgen bis in den Nachmittag die 2. und 3. Lesungen der (neuen) Kirchengesetze, Berichte aus den Ausschüssen und schließlich die Beschlussfassung. Am Abend treffen sich die Synodal*innen zum Abschlussgottesdienst in der Unterkirche der Frauenkirche. Die Predigt hält der scheidende Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesischen Oberlausitz (EKBO) Markus Dröge.