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Mittendrin – Die #LaTdH vom 24. September

Heute sind Millionen von Bürgerinnen und Bürgern mittendrin statt nur dabei: Endlich Wahltag! Außerdem: Geduldige Gärtner im Weinberg des Herrn, starke Predigtworte und launige Festberichte.

Redaktionelle Vorbemerkungen, die gerne übersprungen werden können

Die Links am Tag des Herrn tragen immer am Sonntag zusammen, was so los ist in (Kirchen-)Deutschland und darüber hinaus. Wir lassen uns dabei von unseren eigenen Instikten und Neigungen leiten. Deshalb unterscheiden sich die #LaTdH der einen Autorin auch von denen eines anderen Autors.

Unser Ziel ist es, wichtige Debatten widerzuspiegeln. Häufig sind das Themen, die die ganze Woche über diskutiert wurden. Und manchmal gerade Themen, die wir wichtig finden, obwohl sie (noch) keine große Aufmerksamkeit gefunden haben.

Außerdem wollen wir Die Eule-Leserinnen und -Leser auf Texte aus der christlichen Blogosphäre aufmerksam machen, weil von Christen und Christinnen jeden Tag interessante und wichtige Gedankenanstöße, lustige und andächtige Texte, kritik- und zustimmungswürdige Kommentare publiziert werden. Diese Stimmen wollen wir gerade denjenigen vorstellen, die bisher keinen Zugang zu dieser Seite der christlichen Publizistik gefunden haben.

Denn: Kirchennachrichten finden nicht nur gedruckt statt. Kirchennachrichten werden von all den Menschen gemacht, die Kirche sind. Ihre unterschiedlichen Interessen, Neigungen und Überzeugungen wollen wir zeigen. Dabei lässt sich Die Eule von ihren selbstgesetzten Maßstäben leiten.

Wir schreiben nicht wegen ein paar Klicks noch einmal auf, was anderswo schon sehr gut aufgeschrieben steht, stattdessen weisen wir auf solche Inhalte hin. Und wir setzen das Empfohlene in einen Kontext, der zum gemeinsamen Weiterdenken anregen soll. Darum kommentieren wir unsere Leseempfehlungen.

Und damit zum Thema der Woche: Der Bundestagswahl.

Debatte

Wenn Du am Sonntag AfD wählen willst… – Holger Pyka (Kirchengeschichten)

Der Text zur Bundestagswahl aus der christlichen Blogosphäre. Pfarrer und Slammer Holger Pyka (@PastorPy) schreibt dagegen, zur heutigen Bundestagswahl die AfD zu wählen. Da wir ja alle in unserem eigenen Resonanzraum sitzen, ist es leider Gottes ein bisschen Predigt für den Kirchenchor geworden („preaching to the choir“ in holpriger Übertragung). Das weiß Pyka auch selbst, gerade deswegen ein realer, wichtiger Text.

Vielleicht hast Du das Gefühl: Wenigstens sagen die mal was! Auch das kann ich verstehen. Ja, es hat in unserer Gesellschaft, gerade in den Kreisen, in denen ich mich bewege, Tabus gegeben, Probleme, die man nicht beim Namen genannt hat. Vielleicht war das wichtig, weil die AfD zeigt, dass es schwierige Themen sind, bei denen man oft in brutalsten Populismus verfällt. Aber gerade in ihrer Anfangszeit hat die AfD auch zwischendurch mal richtige Fragen gestellt – ihre Antworten sind aber scheiße.

Was schön war (notaufnahmeschwester)

In den letzten Tagen des Wahlkampfs ging es um ein gesellschaftliches Thema mit richtiger Tragweite: Die Organisation guter Pflege. Die hat viel mit fairen Löhnen, würdigen Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher Wertschätzung zu tun. Denn Pflege ist nicht nur als Abstraktum wichtig. Pflegerinnen und Pfleger – das dürften die meisten von uns aus eigenem Erleben kennen – sind das Gesicht unserer Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie kommen auch zu uns in die eigenen vier Wände. Sie sind mehr als medizinisches Personal. Sie wenden sich Kranken und Alten zu, als ganze Menschen. Die Notaufnahmeschwester erzählt von so einer Begegnung auf Augenhöhe. Dafür muss Zeit und Geld da sein!

Wirr sind viele – Anne Hähnig und Martin Machowecz (DIE ZEIT)

Die beiden Ostkorrespondenten (@anne_haehnig & @mmachowecz) der Wochzeitung DIE ZEIT schreiben auf, dass der Osten auch diesmal – wie üblich – die Wahl entscheiden wird. Nur wie, das ist noch nicht ausgemacht. Sie stoßen auf eine Gemengelage, die mich Unter Heiden schon ein paar Jahre beschäftigt: Woraus speisen sich Frustration, Wut und Stolz der Menschen zwischen Elbe und Neiße? Es ist Zeit, wirklich hinzuschauen. Auch nach dieser Wahl.

Es könnte alles so schön sein für den Osten, der Osten steht im Mittelpunkt der deutschen Debatten, das hat er sich in den vergangenen zwei Jahren aber auch wirklich hart erarbeitet. Nicht nur mit Pegida, nicht nur mit der Wut. Sondern auch mit Schönem: dem Boom der Städte, der Wirtschaft, der Ideen in dieser dynamischsten deutschen Region.

Wahl’17 – Die Kolumne zur Bundestagswahl

In den letzten Wochen habe ich hier in der Eule eine Kolumne zur Bundestagswahl geschrieben. Es ging unter anderem um das taktische Wählen, Unterschiede zwischen den großen Parteien in der Gesundheitspolitik, darum wie toll Deutschland eigentlich ist und auch darum, dass sich das Gesprächs-Klima bedenklich verdunkelt. Und schließlich: Wie man wählen sollte, wenn man in den Himmel kommen will.

Zum Schluss der Debatte ein Hinweis, der Pragmatismus und Idealismus zusammenführt:

Randständiges

Wie im Himmel so auf Erden – Deborah Kehr (theologiestudierende.de)

Deborah Kehr (@ernestinekehr) war auf der Ökumene-Fete in Bochum. Eigentlich war etwas ganz anderes geplant, aber wie so oft bei den Jubiläumsaktionen ist das Diakonische dann rausgerutscht, stattdessen gab es einen „Feierbefehl“. In Bochum war die Stimmung eher mau, also durchaus protestantisch. Unter anderem hat Deborah mit älteren Glaubensgeschwistern eine ruhige Kugel geschoben:

Um mich so richtig in die Zielgruppe einzufühlen, hatte ich mir den altersgerechten Workshop „Bewegtes Werte-Erleben“ rausgesucht. Die Ankündigung fand ich irgendwie witzig: Die Teilnehmenden sollten gemeinsam Boule spielen und dabei über das Thema „Werte“ ins Gespräch kommen.

Hau den Luther – Barbara Offermann (Dominikanerinnen von Bethanien)

Wir bleiben noch kurz reformationsfeierlich: Auch die Dominikanerin Barbara Offermann war auf einem Ökumene-Fest. Das war eine Nummer kleiner, aber scheinbar unterhaltsamer. Sie jedenfalls war begeistert.

Protestanten, die ich im Laufe der Jahre so kennengelernt habe, waren häufig sehr nett, oft auch sehr fromm. Aber je frommer sie waren, desto ernsthafter schienen sie mir auch. Und deshalb war ich schon ziemlich erstaunt und begeistert, als ich in der Vorbereitung hörte, dass es einen „Hau den Luther“ geben würde, also einen umdekorierten „Lukas“. Ganz ehrlich: so viel Selbstironie hätte ich den Evangelen nicht zugetraut!

Ein Mann pflanzt 37 Jahre lang jeden Tag einen Baum. Und das ist dabei herausgekommen:

Rezension: Ulrich Körtner „Für die Vernunft“ – Martin Böger (Netzwerk Theologie und Kirche)

Der Rechtspopulismus stellt die Kirche vor die Herausforderung, ihr Verhältnis zu Politik und Staat neu zu klären. Wir sollten nur aufpassen, dass wir das Kind nicht mit dem Bade auskippen. Ein Entwurf, der sich explizit gegen die „Moralisierung und Emotionalisierung in Politik und Kirche“ wendet, kommt vom Theologieprofessor Ulrich Körtner. Martin Böger hat das Buch für das NThK besprochen. Von der Lektüre des Buches sollte die Rezension nicht abhalten, die in weiten Teilen der ermüdenden und klebrigen Wissenschaftssprache erlegen ist. Ich vermute, dass Körtners Gedanken durchaus Widerspruch verdient haben: Moralisierung und Emotionalisierung gehören nämlich schon mal nicht zwangsläufig in einen Topf.

Bibel

Selig derjenige, der wählt – Till Magnus Steiner (Dei verbum)

Auf dem Bibelblog für Styler Stilbewusste und Denker Dei verbum schreibt Till Magnus Steiner (@TillMSteiner) über das Alte Testament und diesmal demokratische Gedanken aus demselben auf:

Die Bibel ist nicht die Wiege der Demokratie. Die im Alten Testament bevorzugte Regierungsform ist eine Monarchie unter der Leitung Gottes – im Endeffekt eine Theokratie. Allgemein war im Alten Orient weder der Volkswille noch die Macht einzelner Personen das leitende Prinzip. Trotzdem lassen sich auch im Alten Testament demokratische Prozesse wiederfinden, die die Bedeutung der richtigen Wahl betonen.

Predigt

Mittendrin – der sinkende Petrus – Annette Lapp (gottimwohnzimmer)

Eine kurze Predigt, deshalb hier auch kein Ausschnitt. Überhaupt ist der Blog von Annette Lapp (@Aennti) angefüllt mit starken Texten. Lesen.

Ein guter Satz

„Wir sind eben nicht die Moralagentur für die gesamte Republik.“

Bischof Franz-Josef Overbeck im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zusammenfassung hier.


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