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Strich drunter – Die #LaTdH vom 3. Januar

Realistische und hoffnungsfrohe Ausblicke auf das zweite Jahr mit Corona. Außerdem: Rechte Christen im Südwesten, liberale Christen in Verantwortung und klassische Kirchenreformtipps.

Debatte

2021 wird das Jahr des Gelabers – Sascha Lobo (DER SPIEGEL)

Wer immer „Bullshit“ von Harry G. Frankfurt im Munde führt, hat meine Aufmerksamkeit gewonnen. Sascha Lobo (@saschalobo) beginnt seine Prognose für 2021, die Jahresauftaktpredigt „Das Jahr des Gelabers“, gleich mit einem Frankfurt-Zitat:

„Die Produktion von Gelaber wird stimuliert, wann immer die gefühlte Verpflichtung sich zu äußern größer wird als die Kenntnis der Fakten … das gilt umso mehr für Leute, die glauben, es sei ihre Verantwortung als moralisch handelnde Menschen, sämtliche Zustände und Ereignisse in aller Welt zu bewerten.“

Wer erkennt darin nicht nur die Twitteria wieder, die sich dieser Tage erneut zum Thema Schulöffnungen zofft und natürlich über die richtige Impfstrategie fachsimpelt (hier die wichtigsten Infos dazu von @StefanLeifert), sondern auch die – vornehmlich männlichen – Kirchenoberen, die dieser Tage zu jedem möglichen und unmöglichen Thema ihre Meinung kundtun?

Was tun?

Lobo empfiehlt der eigenen Angst als „Pfeifen im Wald“ „entgegenzulabern“. Wir müssen uns also mit dem „Gelaber“ (als Bullshit-Übersetzung nur so semi, aber ok) abfinden. Und:

Nie zuvor kannten sich so viele Menschen so gut mit einer Krankheit aus. Und das ist nicht nur das Verdienst der Forschenden und Vermittelnden, sondern hängt auch am Mut des Publikums zum Gelaber. Sich immer wieder an das aktuelle Wissen heranzuplappern – was natürlich nur mit einer gewissen Fehlerkultur geht.

Denn das unterscheidet den alten Bullshit vom neuen, multifunktionalen Gelaber: die Bereitschaft einzulenken, umzuschwenken. […] In Zeiten, in denen es auf das rationale, einsichtige Handeln der Vielen ankommt, ist es tatsächlich »ihre Verantwortung als moralisch handelnde Menschen, sämtliche Zustände und Ereignisse in aller Welt zu bewerten«. Und wenn das nur mit dem neuen Gelaber geht, dann sei es so.

Wir werden jedenfalls auch 2021 dran bleiben am „Gelaber“, Palaver, am einsichtigen Handeln und widersprüchlichen Agieren der Akteur:innen in Kirchen und Religionsgemeinschaften. Jeden Sonntag. Hoffentlich nicht nur, aber gelegentlich sicher auch bisschen dahergeplappert. Herzlich Willkommen im Jahr 2021: Ein frohes Neues!

Die gekränkte Gesellschaft – Konrad Paul Liessmann (NZZ)

Eine prägnante Gesellschaftsanalyse, der man nicht in allen Punkten zustimmen muss, um ihr etwas abzugewinnen. Konrad Paul Liessmann, Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien, spricht angesichts der Corona-Pandemie von einer „gekränkten Gesellschaft“ und leitet aus dieser mehrere Zustandsbeschreibungen ab, u.a.:

Die gekränkte Gesellschaft ist eine ungeduldige Gesellschaft. Sie kann nicht warten. Und sie hat schon lange auf den Verzicht verzichtet. Vorübergehende Einschränkungen werden deshalb nicht als Unannehmlichkeiten wahrgenommen, sondern als dramatische Einschnitte. Bei der ersten Gelegenheit macht man dort weiter, wo man aufgehört hat, und verlängert damit genau diejenige Misere, der man entkommen möchte.

Liessmanns Artikel kommt fast ohne Polemik aus und ist geeignet, eine kleine Schneise in die alltägliche Nachrichtenflut zu schlagen, auch wenn seine Gedanken natürlich auch eine Zumutung sind, weil wir irgendwie alle, aber in unterschiedlichen Härtegraden, von der Krise betroffen sind.

Von der gerühmten Resilienz, die vor der Corona-Pandemie als neue Modetugend propagiert worden war, ist kaum etwas zu spüren. Eher macht sich Wehleidigkeit breit. Während die Tausende von Toten, die das Virus in nahezu jedem Land bisher forderte, lediglich in der Statistik aufscheinen, ohne dass die damit verbundenen Leidensgeschichten spürbar würden, häufen sich die Berichte über Jugendliche, die schweren seelischen Schaden nähmen, weil sie ein paar Monate auf Präsenzunterricht und Partys verzichten müssten.

Dabei gibt es ohnehin die stillschweigende Übereinkunft, eine gewisse Zahl an Erkrankungen mit ungewissem Ausgang in Kauf zu nehmen, um den Konsum und das Vergnügen nicht ganz zu ersticken. Mit der Dauer der Pandemie hat sich die Toleranz gegenüber dieser Zahl merklich erhöht. […] Dahinter verbirgt sich entgegen einer gerne vertretenen Auffassung kein Generationenkonflikt, sondern die Frage nach dem Wert eines menschlichen Lebens. Unter bestimmten Umständen kann dieser durchaus unabhängig vom Lebensalter ziemlich gering eingeschätzt werden.

Wenn Liessmann von der gekränkten und erschöpften, mental herausgeforderten Gesellschaft spricht, so muss man sich nicht, aber darf man sich ruhig mitgemeint fühlen. Natürlich ist die Mehrheit der Leute stabil. Aber die „Kränkung“ und Teile des Liessmannschen Lasterkatalogs pochen doch in vielen. Das zu ignorieren, könnte zu schwerwiegenden Ausbrüchen führen. Besser ist, man schaut sich die eigenen Verwundungen frühzeitig an.

Vielleicht wäre es an der Zeit, ein Loblied auf jene Mehrheit anzustimmen, die sich nur dadurch bemerkbar macht, dass sie das tut, was nach dem derzeitigen Stand des Wissens getan werden kann, um nicht alles preiszugeben.

In meinem Aufschlag zum Jahreswechsel „Und mit Euch gehen in ein neues Jahr“ hatte ich bereits die zwei sehr unterschiedlichen politischen Jahresrückblicke von Andreas Püttmann (@Puettmann_Bonn) über die Politik in Deutschland („Und es kam schlimmer“) beim Domradio und von Susan B. Glasser (@sbg1) im New Yorker über die US-amerikanische Politik und die Lügen Donald Trumps („The Trümperdämmerung is a fitting end to 2020“, englisch) vorgestellt.

Das Corona-Jahr: Die Solidarität muss stärker sein als jeder Egoismus – Tilmann Kleinjung (katholisch.de)

In einem „Standpunkt“ für katholisch.de fragt Tilmann Kleinjung (@TilmannKk) vom Bayerischen Rundfunk zum Beispiel danach, wie weit unsere Solidarität wohl reicht, wenn selbst das Teilen des Impfstoffes innerhalb der EU der Regierung als Schwäche ausgelegt wird. (Infos zur Benachteiligung von armen Ländern bei der Impfstoffverteilung im Magazin Welt-Sichten).

Kleinjung wagt trotz alledem einen optimistischen Ausblick:

Angst ist ein schlechter Ratgeber und Müdigkeit keine Entschuldigung. Machen wir einen Strich unter dieses Jahr und versuchen, ausgeschlafen das Gute hinüberzuretten ins neue Jahr, in die Zeit nach Corona. Es gibt ja genügend Lernerfahrungen: zum Beispiel, dass die Leistungsträger in unserer Gesellschaft – Pflegerinnen, Supermarktkassierer – chronisch unterbezahlt sind. Kann man ändern, muss man ändern. Oder dass sich die Stärke einer Gesellschaft danach bemisst, wie sie mit den Schwächsten umgeht, mit den Alten und den Jungen. Auch da gibt es noch Luft nach oben. Und dass die Solidarität am Ende stärker ist als jeder Egoismus.

Editorial: The Guardian view on liberal Christians: is this their moment? (The Guardian, englisch)

Der Guardian sieht in der Wahl des liberalen Katholiken Joe Biden zum US-Präsidenten ein Zeichen für die Wiederkehr (Woher eigentlich? Und wohin „zurück“?) der liberalen Christen, denen in Krisenzeiten eine besondere Rolle zukomme. Man muss die Linse schon sehr weit zurückstellen, um mit dem Guardian Biden, aber vor allem Papst Franziskus für eine progressive christliche Agenda in Anspruch zu nehmen.

Dieser Wunsch verdankt sich vor allem der – zutreffenden – Analyse, dass beide in Opposition zur Bullshit- und Lügen-Schleuder Trump stehen. Ein Vorteil des Untergangs des Master-Bullshitters von Washington ist, dass wir – so Gott will – wieder genauer differenzieren können und sich nicht alles um die Nähe bzw. Entfernung dreht, die man zum „Fixstern“ Trump einnimmt. Am Ende ist der Auftrag des Guardians an „liberale“ Christen nämlich einer, den alle Christen ernst nehmen sollten:

In recent years, Christian leaders have too often been silent, complicit or cravenly proactive, as the Bible has been deployed as a weapon in conservative culture wars. The image of Trump marching through teargassed streets to brandish a bible outside a Washington church encapsulated a kind of capitulation. But in the new year, liberal Christians have grounds for cautious optimism. In the necessary project of carving out a new space for a less polarised, more fraternal public square, they have a vital role to play.

In den zurückliegenden Jahren waren christliche Anführer:innen zu häufig still, haben sich in ihr Schicksal ergeben oder sich mitschuldig gemacht, als die Bibel als Waffe im „konservativen“ Kulturkampf in Stellung gebracht wurde. Das Bild Trumps, wie er durch die Tränengas gefluteten Straßen marschiert und die Bibel vor einer Washingtoner Kirche schwenkt, versinnbildlicht eine Art der Kapitulation. Aber im neuen Jahr haben liberale Christen Grund zur vorsichtigen Hoffnung. Sie haben eine wichtige Rolle zu spielen bei der notwendigen Aufgabe, Platz zu schaffen für eine weniger polarisierte, geschwisterliche (wtl. brüderliche) Öffentlichkeit.

nachgefasst

Zahlungen an Missbrauchsopfer: DBK stellt Unabhängige Kommission vor (katholisch.de)

Wie angekündigt hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine neue Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistung (UKA) eingerichtet. (Wir berichteten im Oktober 2029 ausführlich über das neue Verfahren, inkl. der damit verbundenen Schwierigkeiten für Betroffene und der erwartbaren Aufwendungen für die römisch-katholischen (Erz-)Bistümer.

Ob die Kommission ankündigungsgemäß arbeitet, wird man sinnvoll erst in einigen Monaten oder zur nächsten Jahreswende beurteilen können. Dann wird man anhand von Zahlen sehen können, wieviele der ca. 9200 Betroffenen „Anerkennungsleistungen“ beantragt haben und wie hoch diese jeweils tatsächlich ausgefallen sind. Derzeit lässt sich allerdings feststellen, dass es der DBK anscheinend gelungen ist, ihre Zusage zu einer interdisziplinären Besetzung der Kommission mit Expert:innen von außerhalb der Kirchenmitarbeiter:innenschaft einzulösen.

Kritik am neuen Verfahren äußerte allerdings Harald Dreßing, einer der Verfasser der MHG-Studie. Die Einrichtung der Kommission käme „viel zu spät“ und sei „völlig unzureichend“, sagte er der FAZ (€). Die evangelischen Landeskirchen haben noch immer kein einheitliches Verfahren für die „Anerkennungsleistungen“ etabliert. Im Herbst berichteten wir auch darüber ausführlich, inkl. der Problematik des Nachweises von „institutionellem Versagen“ („EKD übergeht Missbrauchs-Betroffene“).

Aussage gegen Aussage – Bernd Kastner (Süddeutsche Zeitung)

Bernd Kastner nimmt in der Süddeutschen Zeitung in zwei Artikeln die Vorwürfe von Wolfgang Rothe (@WolfgangFRothe, hier in der Eule) auf, die der Priester gegenüber Altbischof Klaus Küng von St. Pölten erhebt. Der Fall ist ein trauriges Beispiel dafür, wie die römisch-katholische Kirche immer noch unzureichend mit Anklagen und Vorwürfen von Missbrauchsbetroffenen umgeht.

Reiter der Apokalypse – Rüdiger Soldt, Reinhard Bingener (FAZ)

Für die Frankfurter Allgemeine haben sich Rüdiger Soldt (@r_soldt) und Reinhard Bingener (@RBingener) noch einmal jene Christen angeschaut, die gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf den Straßen und im Netz Front machen. Weil der Artikel auf die Entwicklungen in Südwestdeutschland fokussiert, ist er eine hervorragende Ergänzung zur „Die rechte Ecke“-Ausgabe von Ende November hier in der Eule, in der ich vor allem die Protagonisten aus dem Osten des Landes in den Blick genommen hatte.

Bingener und Soldt ordnen die Rede von den „bible belts“ (vulg. Bibelgürteln) ein, die sich für das Schwabenländle und das Erzgebirge / Vogtland nicht erst mit der Corona-Krise etabliert hat. Zwar sind in beiden Regionen Pietisten bzw. Evangelikale in signifikanter Zahl vorhanden, aber sie haben eben nicht die selbe kultur- und politikprägende Kraft wie ihre US-amerikanischen „Vorbilder“.

An den klaren Stellungnahmen der Deutschen Evangelischen Allianz (EAD) und der pietistischen württembergischen Kirchenpartei „Lebendige Gemeinde“ sieht man auch, dass es innerhalb der evangelikalen Bewegung über die Corona-Politik zwar einen Konflikt gibt, die Mehrheit der Evangelikalen es jedoch mit Vernunft und Regel-Compliance hält.

Die Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Annette Kick, hat eine Erklärung dafür, warum die Pietisten beim Thema Corona wohl nicht überdurchschnittlich engagiert sind. „Das Corona-Virus triggert diese Gruppen nicht“, sagt die Pfarrerin. Beim Thema Sexualität sei dies ganz anders. Deshalb seien die Proteste der Evangelikalen gegen den Bildungsplan auch viel stärker gewesen. Kick verweist auf die These des verstorbenen deutschamerikanischen Soziologen Martin Riesebrodt, dem zufolge das wichtigste Ziel religiöser Fundamentalisten die Erhaltung einer patriarchalen Weltordnung sei.

Auf die „Querdenker“-Proteste springen nach der Beobachtung von Kick vor allem jene Evangelikale auf, die sich durch die Auseinandersetzungen über Homo-Ehe, Geschlechterrollen und Zuwanderung von Muslimen schon stark radikalisiert haben und deshalb „schon vor dem Ausbruch des Virus an den ,deep state‘ glaubten“.

Auch diese Einschätzung passt zu meiner Beobachtung, dass wir es bei den „Christen im Widerstand“ mit alten Bekannten zu tun haben und was die Funktionäre der Bewegung angeht darüber hinaus mit Leuten, die sich bereits seit 2014/2015 anhand der typischen evangelikalen Politikinteressen, vor allem aber beim Thema Islamismus (Einwanderung), radikalisieren.

Buntes

„Das ist Gedächtnistheater!“ – Interview mit Max Czollek und Michel Friedman (Chrismon)

Ein interessantes Interview haben Max Czollek (@rubenmcloop) und Michel Friedman der Chrismon (@chrismon_de) gegeben, in dem sie gemeinsam für Einsteiger:innen noch einmal erklären, was Gedächtnistheater bedeutet, warum Muslime und Juden in Deutschland ähnlichen Ausgrenzungen ausgesetzt sind und was für ein friedliches Miteinander in einer pluralen Gesellschaft nötig wäre. Nämlich u.a. der Abschied von der Integrationsforderung:

Czollek: Bei der Integration legt eine gesellschaftliche Gruppe den Erwartungshorizont fest, an den die anderen sich anpassen müssen. Dabei wird einem Viertel der Gesellschaft, nämlich denen mit Migrationshintergrund, mal mehr, mal weniger offen unterstellt, nicht demokratisch genug zu sein und daher eine Anpassungsleistung erbringen zu müssen. Das Integrationsdenken geht also grob gesagt davon aus, dass die größte Gefahr dieser Gesellschaft ihre Vielfalt ist. Ich bin überzeugt, das Gegenteil ist der Fall: Die Wehrhaftigkeit der pluralen Demokratie schöpft sich aus ihrer Vielfalt.

Catholics rise to prominence in Congress – Paul V. Fontelo (Roll Call, englisch)

Ein kleiner Überblick über die Zusammensetzung des Kongresses nach den US-Wahlen, in dem Katholiken 29 % der Sitze einnehmen und damit die größte religiöse Gruppe bilden. Und dann wären da noch der neue katholische Präsident Joe Biden (dessen Vize Kamala Harris übrigens Baptistin ist) und die Sprecherin des Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi – beide ebenfalls katholisch.

Gleichwohl finden sich unter den katholischen ParlamentarierInnen sowohl KulturkämpferInnen und LebensschützerInnen als auch z.B. die linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez. Eine Zusammenarbeit aufgrund der Konfession ist da wohl eher Wunschtraum.

Prominente Leerstelle in diesem Artikel sind die muslimischen Abgeordneten, die gar keiner Erwähnung Wert scheinen, obwohl es von ihnen immerwegs Drei (!) gibt. Übrigens gab es bisher überhaupt noch keine:n muslimische:n Senator:in. Die Katholiken sind damit im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil von 20,8 % leicht überrepräsentiert, genauso wie Juden (1,9 %, 8 SenatorInnen, 25 Abgeordnete), während Muslime (0,9 %) und vor allem Nicht-Religiöse (22,8 %) unterrepräsentiert sind.

Geringe Besucherzahlen, wenig Nachhaltigkeit, obszöne Spitzengagen – Interview mit Folkert Uhde (Tagesspiegel)

Ein auch für Kirchenleute sehr aufschlussreiches Interview mit dem Kulturmanager Folkert Uhde von Christiane Peitz (@ChristianePeitz) für den Tagesspiegel enthält kluge Gedanken zur Zukunft von Klassik-Konzerten. Uhde organisiert in der ostdeutschen Provinz die Köthener Bachfesttage und hat „von dort“ Erkenntnisse mitgebracht.

Seit 20 Jahren höre ich, „unser Publikum ist noch nicht so weit“. Wenn ich in anderen Städten oder in Österreich arbeite, heißt es dort: Das kannst du mit deinen Leuten in Berlin machen, aber doch nicht hier! Was für arrogante Sätze. Die Besucher sind doch nicht einfach nur Konsumenten, die ich mit noch mehr Marketing umwerbe.

Es geht um Beziehungsarbeit, das meine ich mit Haltung. […] Wenn es gut gemacht ist, sind die Menschen ungeheuer aufgeschlossen für Neues. Wir müssen davon wegkommen, dass Orte Klassischer Musik ausschließlich museal anmutende Abspielstationen sind.

50 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst – Antje Schrupp (Antje las ein Buch, YouTube)

Antje Schrupp (@antjeschrupp) stellt auf YouTube immer wieder ihre Lektüren vor, diesmal „Mutige Schritte – 50 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst“ aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (@ekhn_de). Schrupps Rezension ist ein Stück Geschichtsunterricht für alle, die sich mit dem Pfarramt und der Gleichstellung von Frauen und Männern sowie mit aktuellen Emanzipationsbewegungen beschäftigen wollen.

Theologie

Übersetzung des Talmud ist online – Chajm Guski (talmud.de)

Wie bereits in einem ausführlichen Interview bei „Natur des Glaubens“ von Michael Blume (@BlumeEvolution) im Mai letzten Jahres angekündigt, hat talmud.de damit begonnen, den Talmud in deutscher Sprache kostenfrei online zugänglich zu machen. Chajm Guski (@chajmke) informiert im Interview und im kleinen Startartikel über die Schwierigkeiten des Projekts.

500 Jahre nach der Exkommunikation Luthers: Bischof Bertram Meier hält Symbolhandlungen für nicht ausreichend (Bistum Augsburg)

In den vergangenen Tagen wurde diskutiert, ob die katholische Kirche nicht formal die Exkommunikation Martin Luthers, die vor 500 Jahren vermittels der Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ ausgespochen wurde, zurücknehmen solle. Bischof Betram Meier (Augsburg) hält das für unnötig, weil diese mit dem Tod Luthers sowieso erloschen sei. Und:

Viele Elemente, so Bischof Bertram, die Martin Luther für die geistliche Erneuerung der Kirche damals gefordert habe, seien mittlerweile von den Katholiken aufgegriffen worden und ins kirchliche Leben eingebunden. Der Bischof weiter: „[…] Ökumene beschäftigt sich nicht nur mit der Geschichte, sondern blickt vor allem nach vorn. Sie ist eine Zukunftsaufgabe. […] Bei aller Dankbarkeit für das Gemeinsame müssen wir uns theologisch redlich mit den Fragen beschäftigen, die uns noch trennen, und miteinander in Liebe die Wahrheit ans Licht heben.“

Dafür sieht er das 500. Jubiläum des Augsburgischen Bekenntnisses (Confessio Augustana, CA) 2030 als „Steilvorlage“, „um auf Grundlage dieser evangelischen Bekenntnisschrift den Weg der Suche nach der vollen Einheit geduldig und hartnäckig weiter zu gehen“.

„Die in der Confessio Augustana behandelten Themen könnten gut als Raster für ökumenische Fortschritte dienen. Denn es geht hier um mehr als um Eucharistie und Abendmahl.“

Eine bemerkenswerte Aussage im Lichte der jüngsten Entwicklungen rund um die gegenseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl (s. #LaTdH vom 11. Oktober & 6. Dezember 2020), in denen schon spürbar wurde, dass Lutheraner und Katholiken sich bei der Sakramentenlehre doch sehr nahe sind.

Es bleiben Fragen: Ob die Confessio Augustana als lutherische Bekenntnisschrift für den Dialog mit allen evangelischen Kirchen wirklich geeignet ist? Und hat der Augsburger Bischof auch an CA 7 gedacht?

Ein guter Satz

Für große Schritte
braucht es Anlauf.

– von @_Brathering_ auf Twitter, gerne auch mit der Ergänzung von @Hexe1236: „Nicht immer. Manchmal hilft eine Hand, die einem gereicht wird, um diesen zu wagen.“

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